Februar 2026: Warum wir in Meetings ertrinken – und wie wir wieder an Land kommen
Shownotes
In dieser Folge sprechen Elmar und Philip über das Phänomen der Kollektivitis – also die Tendenz, Entscheidungen in endlosen Meetings, E-Mail-Schleifen und Abstimmungsprozessen zu ertränken, statt sie klar und effizient zu treffen. Ein Thema, das sie beide aus ihrem Arbeitsalltag nur allzu gut kennen. Doch wie kommt es dazu, dass wir uns in Entscheidungslosigkeit verlieren? Und warum fällt es uns so schwer, Verantwortung zu übernehmen?
Die beiden beleuchten, wie sich Arbeitskulturen verändert haben: Während früher oft eine einzelne Person – etwa der Chef – Entscheidungen traf, wird heute versucht, möglichst viele Perspektiven einzubeziehen. Doch dieser Ansatz hat einen Haken: Entscheidungen werden hinausgezögert, Verantwortung verwässert und am Ende steht oft nur ein Kompromiss, der niemanden wirklich zufriedenstellt. Philip berichtet aus seiner Erfahrung als Führungskraft, wie anstrengend es ist, ständig zwischen unterschiedlichen Meinungen zu vermitteln – und wie wichtig es ist, irgendwann einfach eine Entscheidung zu treffen. Elmar ergänzt mit einem interessanten Blick auf das japanische Ringisystem, das zeigt, wie Entscheidungsprozesse auch anders funktionieren können: Dort werden Beteiligte vor dem eigentlichen Meeting abgeholt, um im Anschluss effizienter zu einer Lösung zu kommen.
Ein zentrales Problem, das die beiden identifizieren: Wir verwechseln oft Diskussion mit Arbeit. Statt konkrete Schritte umzusetzen, wird endlos über Möglichkeiten geredet – ähnlich wie in einer Gruppe, die stundenlang darüber debattiert, was man zum Geburtstag schenken könnte, ohne jemals tatsächlich etwas zu kaufen. Die Folge? Frustration, Stillstand und das Gefühl, keine echten Fortschritte zu machen. Philip plädiert dafür, klare Fristen zu setzen und Entscheidungen bewusst zu kommunizieren: „Wenn sich innerhalb der nächsten zwei Wochen niemand meldet, steht die Entscheidung.“ – Ein einfacher, aber effektiver Trick, um endlose Debatten zu vermeiden.
Doch warum fällt es uns so schwer, Entscheidungen zu treffen? Elmar und Philip sehen einen Grund darin, dass wir in einer Kultur der Risikoaversion leben: Niemand will die Verantwortung für eine falsche Entscheidung tragen – dabei ist es oft schlimmer, gar keine Entscheidung zu treffen. Sie vergleichen das mit dem Fußball: Ein Trainer, der eine Auswechslung vornimmt, wird hinterher kritisiert, wenn sie schiefgeht. Doch wer nicht wechselt, entgeht zwar der Kritik – verpasst aber vielleicht die Chance, das Spiel zu drehen. Nicht-Entscheiden ist auch eine Entscheidung – und oft die schlechtere.
Zum Abschluss geben die beiden praktische Tipps, wie man der Kollektivitis entkommen kann:
- Klare Verantwortlichkeiten definieren: Nicht jeder muss bei jeder Entscheidung mitreden. Input einholen ja – aber am Ende muss jemand den Hut aufhaben.
- Fristen setzen: Entscheidungen brauchen ein „Bis-dato“ – sonst werden sie ewig verschleppt.
- Akzeptanz lernen: Nicht jede Entscheidung wird perfekt sein – und das ist okay. Wichtiger ist, dass überhaupt eine getroffen wird.
- Meetings reduzieren: Oft reichen kleinere Runden oder Vorabklärungen (wie im Ringisystem), um effizienter zu arbeiten.
Wer mehr über die genannten Konzepte wissen möchte, findet hier weiterführende Links:
- Artikel zur Kollektivitis "Und jetzt Alle!" von Tobias Moorstedt und Jakob Schrenk in der Süddeutschen Zeitung (Dezember 2025)
- Ringisystem und Nemawashi (japanische Entscheidungsfindung)
- Getting Things Done (GTD-Methode)
- Assassin’s Creed Shadows (Elmars aktuelles Gaming-Highlight)
- Alice in Borderland (eine der genannten „Death Game“-Serien)
- Digital Independence Day (D-Day)
Neuer Kommentar